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Ătzi
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Ătzi, auch Mann vom Tisenjoch, Mann vom Hauslabjoch, Der Mann aus dem Eis, Mumie vom Similaun u. Ă€. genannt,cite-ref-spindler-1992-93-2-0[2]cite-ref-ortner-1993-3-0[3] ist eine Gletschermumie aus der spĂ€ten Jungsteinzeit bzw. Kupfersteinzeit, die 1991 im SĂŒdtiroler Anteil der Ătztaler Alpen gefunden wurde. Untersuchungen zu Ătzis Todeszeitpunkt haben ergeben, dass er zwischen 3368 und 3108 v. Chr. gestorben ist. Ătzi ist damit die Ă€lteste bekannte natĂŒrliche menschliche Mumie Europas, und eine der Ă€ltesten der Welt. Ihrer Untersuchung sind eine Vielzahl an Erkenntnissen ĂŒber das Leben der Steinzeitmenschen in Europa zu verdanken. Sie wird heute im SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseum in Bozen aufbewahrt.
Contents
âą Entdeckung
âą Erbgut-Analyse
âą Bekleidung
âą Kupferbeil
âą Bogen und Pfeile
âą Datierung
âą Benennung
âą Rezeption
âą Ausstellungen
âą BĂŒcher
⹠Hörspiel
âą Spielfilme
âą Comics
âą Literatur
âą Dokumentationen
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Entdeckung
Die Mumie wurde am 19. September 1991 beim 3188 m s.l.m. hohen Tisenjoch in den Ătztaler Alpen oberhalb des Niederjochferners gefunden (rund 70 Meter sĂŒdwestlich vom Fundort wurde an folgender Position ein Obelisk errichtet: obelisk-fundort-tzi46° 46âČ 46âł N, 10° 50âČ 26âł O46.77936910.840456). Das Tisenjoch, eine Senke des Schnalskamms zwischen der Fineilspitze und dem Similaun, verbindet das Tisental mit dem Niedertal bzw. groĂrĂ€umiger das Schnalstal mit dem Ătztal (der niedrigste Sattel zwischen Fineilspitze und Similaun ist allerdings das vielbegangene, in 3017 m s.l.m. Höhe befindliche Niederjoch). Der mit dem Gesicht nach unten liegende Mann vom Tisenjoch, von dem das schmelzende Eis den Hinterkopf und den RĂŒcken freigegeben hatte,cite-ref-4[4] wurde von den beiden deutschen Bergwanderern Erika und Helmut Simon aus NĂŒrnberg beim Abstieg von der Fineilspitze zum Niederjochcite-ref-4-5-0[5] entdeckt und ist die einzige erhaltene, durch natĂŒrliche Gefriertrocknung konservierte Leiche aus der Kupfersteinzeit (auch als SpĂ€t- bzw. Endneolithikum bezeichnet) in Mitteleuropa.
Klimatische Gegebenheiten
Ătzi lebte in einer Zeit, in der die Vergletscherung der Ătztaler Alpen wieder zunahm. Etwa um das Jahr 2020 herum entnahmen Wissenschaftler Eisbohrkerne aus der Gipfeleiskappe der etwa 12 km von der Fundstelle entfernten WeiĂseespitze. Die Auswertung ergab, dass dieser 3498 m ĂŒ. A. hohe Berg bis vor etwa 6000 Jahren vorĂŒbergehend eisfrei war. Vor etwa 5900 Jahren setzte eine Zunahme der Vergletscherung ein. Dadurch wurde auch das Ăberqueren der hohen AlpenpĂ€sse wieder schwieriger und gefĂ€hrlicher. Es ist ungeklĂ€rt, ob Ătzi auf Eis starb oder auf Fels/Schnee und im Zuge der allgemeinen AbkĂŒhlung erst spĂ€ter von Eis ĂŒberdeckt wurde.cite-ref-3-6-0[6]
Die Fundstelle ist eine Felsmulde, die einst von Gletschereis bedeckt war. Das Eis konnte sich in der Mulde wegen der unbedeutenden Neigung und der NĂ€he zur Hangkante nach Westen (kein Eisnachschub) nie bewegen und ScherkrĂ€fte ausĂŒben. Ătzi war vielmehr an dieser Stelle dank der unbeweglichen Eismasse ĂŒber ihm bestens geschĂŒtzt. Erst beim RĂŒckzug des Gletschers durch starkes Abtauen im ungewöhnlich heiĂen Sommer des Jahres 1991 wurden die Fundobjekte freigelegt.cite-ref-0-7-0[7]cite-ref-8[8]
SpĂ€tere Untersuchungen konnten nachweisen, dass der Leichnam zumindest zeitweise in flĂŒssigem Wasser lag und nicht stĂ€ndig gefroren war. Das Ă€uĂere Erscheinungsbild, mit Verlust der Behaarung so wie Oberhaut, und die FettsĂ€urezusammensetzung entspricht dem einer Wasserleiche, die zu einem spĂ€teren Zeitpunkt gefroren ist.cite-ref-9[9]cite-ref-10[10] Ătzi starb mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht am Fundort, sondern auf einer höheren SchneeflĂ€che und rutschte erst spĂ€ter in die Senke nahe des Tisenjochs.cite-ref-0-7-1[7] Radiokarbondatierungen belegen, dass der Liegeort ĂŒber Jahrhunderte wiederholt eisfrei war.cite-ref-0-7-2[7] WĂ€hrend heiĂer Sommer taute die Mumie mehrfach auf, was zur Ablösung der Kopfhaut und zur BeschĂ€digung seiner AusrĂŒstung fĂŒhrte.cite-ref-0-7-3[7] Schmelzwasser trug zusĂ€tzlich jĂŒngeres organisches Material in die Senke mit dem Liegeort ein.cite-ref-0-7-4[7] Diese Erkenntnisse widerlegen die frĂŒhere Annahme, dass Ătzi direkt nach seinem Tod dauerhaft im Eis versiegelt wurde.
Das Alter des Eises, in dem Ătzi eingeschlossen war, wurde nie bestimmt; inzwischen ist es abgeschmolzen.cite-ref-3-6-1[6]
Grenzverlauf an der Fundstelle
Da Ătzi im italienisch-österreichischen Grenzgebiet zwischen der italienischen Provinz SĂŒdtirol und dem österreichischen Bundesland Tirol gefunden wurde, erhoben zunĂ€chst beide Staaten Anspruch auf den Fund. 1919 war im Vertrag von Saint-Germain-en-Laye am Alpenhauptkamm zwischen Klopaierspitze und Dreiherrnspitze die Wasserscheide als Grenze vereinbart worden. Der 1920 mit der Festlegung im GelĂ€nde beauftragte internationale Grenzregelungsausschuss nahm an, dass bei GletscherĂŒberdeckungen eine geradlinige Grenzziehung dem Verlauf der unter dem Gletscher liegenden Wasserscheide nahekĂ€me, und beschloss ein entsprechendes Vorgehen.cite-ref-11[11] 1923 legte er auch im Bereich des spĂ€teren Fundorts eine entsprechende Grenzziehung fest, zog von der Fineilspitze kommend zunĂ€chst die Grenze zum Hauslabjoch hinunter (Grenzstein b-35 auf 3283 m Höhe) und von dort weiter eine 550 Meter lange, gerade Grenzlinie ĂŒber das damals noch bestehende Eis zu einem Punkt nahe und östlich des Tisenjochs (Grenzstein b-36 auf 3208 m Höhe).cite-ref-12[12] Nach dem RĂŒckzug des Eises zeigte sich, dass die tatsĂ€chliche Wasserscheide weiter westlich von der Fineilspitze â ohne Umweg ĂŒbers Hauslabjoch â hinunter zum Tisenjoch verlĂ€uft. Obwohl sich die Fundstelle auf der Ăsterreich zugewandten Seite der Wasserscheide befindet, lag sie somit, wie eine Vermessung im Oktober 1991 ergab, 92,55 Meter westlich von der geradlinig gezogenen Grenze entfernt auf italienischem Staatsgebiet.cite-ref-2-13-0[13]cite-ref-14[14] Ăsterreich akzeptierte zwar die territoriale Zugehörigkeit des Fundorts zu Italien zum Fundzeitpunkt, bemĂŒhte sich aber im Nachgang um eine Neuverhandlung des Grenzverlaufs aufgrund des durch den Fund manifest gewordenen Grundlagenirrtums (der Widerspruch zwischen der völkerrechtlichen Vorgabe der Wasserscheidenlinie durch den Vertrag von Saint-Germain und den zahlreichen Abweichungen davon durch die konkrete Grenzziehung von 1923).cite-ref-15[15] Seit September 2006 ist ein bereits 1994 unterzeichneter,cite-ref-1-16-0[16] neuer Vertrag zwischen der Republik Ăsterreich und der Italienischen Republik ĂŒber die Instandhaltung der Grenzzeichen sowie die Vermessung und Vermarkung der gemeinsamen Staatsgrenze in Kraft; dieser hĂ€lt fest, dass der Grenzverlauf, sofern er durch die Kammlinie oder Wasserscheide definiert wurde, allmĂ€hlichen natĂŒrlichen VerĂ€nderungen folgt und somit variabel ist. Ohne GletscherĂŒberdeckung oder nach dem Abschmelzen einer solchen folgt er der Wasserscheidenlinie des felsigen Bodens und vollzieht auch Verlagerungen infolge von Erosion nach.cite-ref-17[17]
Bergung und FundumstÀnde
âą Der Polizist, der die Eisleiche aus dem Eis befreien wollte, beschĂ€digte mit Pickel und Presslufthammer Ătzis HĂŒfte.
âą Vier Tage spĂ€ter verpackten Polizisten die Leiche und die dabei liegenden FundgegenstĂ€nde in einem Plastiksack. Weil der Bogen fĂŒr den Sack zu groĂ war, wurde er zerbrochen.
âą Der Bestatter in Vent brach Ătzis Arm, um ihn in einen Sarg legen zu können und in die Gerichtsmedizin nach Innsbruck zu bringen.
⹠Bevor der PrÀhistoriker Konrad Spindler von der UniversitÀt Innsbruck informiert wurde, war der Gerichtsmediziner geneigt, die Leiche zur Bestattung freizugeben, da bei alten Leichen kein Mörder am Leben und juristisch zu belangen ist.
Rechtsstreit um die FundprÀmie
Als Entdecker gelten nach einem mehrjĂ€hrigen Rechtsstreit seit November 2003 die beiden deutschen Bergwanderer Erika und Helmut Simon aus NĂŒrnberg. Gegen diesen Entscheid des Bozner Landesgerichts legte die SĂŒdtiroler Landesregierung Berufung ein, da sich die Slowenin Magdalena Mohar und die ZĂŒrcherin Sandra Nemeth gemeldet hĂ€tten, die den Gletschermann gefunden haben wollten. Der lange Rechtsstreit um die Gletschermumie fĂŒhrte im Juni 2009 zu einer Einigung dahingehend, dass der Familie Simon mit Billigung der Landesregierung in Bozen 150.000 Euro Finderlohn fĂŒr die Entdeckung der Gletschermumie zugesprochen wurden, wobei die Prozess- und Anwaltskosten von der Familie getragen werden sollten.cite-ref-20[20] Nachdem diese Einigung jedoch im letzten Augenblick platzte, kam es erneut zu einem Verfahren, das im Juni 2010 endete und wonach die SĂŒdtiroler Landesregierung der seit 2004 verwitweten Erika Simon einen Finderlohn in Höhe von 175.000 Euro zusagtecite-ref-21[21] und ihn schlieĂlich im August 2010 auszahlte.cite-ref-22[22]
Körperlicher Befund
Die erste wissenschaftliche Untersuchung des archĂ€ologischen Befundes nahm Konrad Spindler in Innsbruck vor. Daneben wurden in die Untersuchungen von Beginn an Spezialisten aus den Fachgebieten der Anthropologie, Forensik und Pathologie einbezogen. Nach der ĂberfĂŒhrung der Mumie am 16. JĂ€nner 1998 nach Bozen betreute lange Jahre Eduard Egarter Vigl die Koordination der Erforschung.
Anatomie und Pathologie
Der ca. 1,54 m groĂe und 13 kg schwere, gefriergetrocknete Leichnam ist nahezu unversehrt und vollstĂ€ndig.cite-ref-lippert-et-al-23-0[23]cite-ref-24[24] Das wahrscheinliche Sterbealter wird mit 45â46 Jahren angegeben, wobei eine Abweichung von bis zu ±5 Jahren möglich ist.cite-ref-fleckinger-2011-25-0[25] Da der Körper beim Gefrieren schrumpft, muss er von gröĂerer Statur gewesen sein, etwa 1,60 m.cite-ref-26[26] Der Rumpf weist einen BandscheibenverschleiĂ der LendenwirbelsĂ€ule und eine durch einen Pfeilschuss in die linke Schulter verursachte Verletzung auf. Des Weiteren weist der SchĂ€del im Bereich des rechten Augenrandes eine Fraktur der SchĂ€delnaht zwischen Jochbein und Stirnbein (Sutura zygomaticofrontalis) auf. Ein SchĂ€del-Hirn-Trauma wurde mittlerweile nachgewiesen.cite-ref-idw-27-0[27]
Der Abnutzungsgrad der Gelenke wird fĂŒr das Lebensalter als verhĂ€ltnismĂ€Ăig gering eingestuft, was auf eine herausgehobene soziale Stellung schlieĂen lĂ€sst. In den Haaren wurden hohe Konzentrationen von Metallen nachgewiesen; daher vermutete man zunĂ€chst, dass er mindestens zeitweilig mit KupferverhĂŒttung in Kontakt kam. Dieser Vermutung wurde aber 2016 widersprochen.cite-ref-mumienkongress-28-0[28]
Die ZĂ€hne sind stark abgenutzt, was â wie bei vielen anderen neolithischen Befunden auch â auf den Verzehr von Getreide mit den darin enthaltenen Partikeln von Mahlsteinen zurĂŒckzufĂŒhren ist.cite-ref-museum-bozen-29-0[29] Dem Mineralienstatus der ZĂ€hne nach zu schlieĂen kam er aus dem Eisacktal.cite-ref-30[30] Im Jahr 2011 wurden verschiedene Zahnerkrankungen wie Karies und leichte Parodontitis diagnostiziert.cite-ref-31[31] Auffallend ist weiterhin das Diastema (die ZahnlĂŒcke zwischen den beiden oberen mittleren SchneidezĂ€hnen).cite-ref-museum-bozen-29-1[29] Eine weitere Studie ergab unter anderem Hinweise auf einen unfallbedingt abgestorbenen Frontzahn und auf eine fortgeschrittene Parodontitis, letztere belegt auch durch DNA-Analysen aus dem Beckenknochen, die den Parodontose-Erreger Treponema denticola nachweisen.cite-ref-32[32]
Ein Zusammenhang zwischen der Parodontitis und einer bereits frĂŒher gefundenen Arterienverkalkung wird diskutiert.cite-ref-33[33]
An der Mumie sind zahlreiche blauschwarze TĂ€towierungsgruppen erhalten, bei denen Kohlenstaub in kleine punktförmige Wunden eingerieben worden ist. Sie zĂ€hlen zu den weltweit Ă€ltesten nachweisbaren TĂ€towierungen und setzen sich aus 61 EinzeltĂ€towierungen zusammen.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35] Auffallend sind besonders parallele Linien im Lendenbereich, Streifen um seinen rechten FuĂknöchel und eine TĂ€towierung in Form eines Kreuzes hinter dem rechten Knie.cite-ref-36[36] Aufgrund einiger Punktierungen an klassischen Akupunkturpunkten wird ĂŒber eine therapeutische Funktion der TĂ€towierungen spekuliert.cite-ref-37[37]
Drei im Jahr 2001 beschriebene Gallensteine deuten auf einen erhöhten Cholesterinspiegel des Gletschermannes, was in Verbindung mit der bereits vor Jahren diagnostizierten Arteriosklerose zu einer neuen Interpretation seiner ErnĂ€hrung fĂŒhrt.cite-ref-gostner-2011-38-0[38] WĂ€hrend der starke Zahnabrieb noch als Beleg fĂŒr eine ĂŒberwiegend vegetarische ErnĂ€hrung aufgefasst wurde, wird jetzt Fleisch als wesentliche Nahrungsquelle angenommen.cite-ref-gostner-2011-38-1[38] Aus der DNA-Analyse ergaben sich jedoch auch Anhaltspunkte fĂŒr eine erbliche Komponente der Arterienerkrankung.cite-ref-keller-et-al-2012-39-0[39]cite-ref-40[40] 2016 wurde der Nachweis des Bakteriums Helicobacter pylori im Magen der Mumie erbracht, was in Verbindung mit dem mitgefĂŒhrten Birkenporling als Medizin auf akute Magenbeschwerden hinweist.cite-ref-41[41]
Der linke Oberarmknochen wurde wĂ€hrend der Bergung im vereisten GelĂ€nde gebrochen. Wie erst pathologische Untersuchungen im Jahre 2011 zeigten, war auch der rechte Oberarm postmortal gebrochen, was ebenfalls wahrscheinlich auf die Bergung zurĂŒckzufĂŒhren ist.cite-ref-gostner-2011-38-2[38] 2012 gelang mittels Rasterkraftmikroskopie und Raman-Spektroskopie der Nachweis roter Blutkörperchen in der Pfeilwunde am RĂŒcken.cite-ref-spiegel-2012-42-0[42]
Erbgut-Analyse
Im Jahr 2011 wurden erste Ergebnisse der Untersuchung des Genoms (aus der Zellkern-DNA) bekannt.cite-ref-43[43] So wurde das Gen fĂŒr braune Augen identifiziert.cite-ref-44[44] Das Genom des Eismannes wurde aus dem Beckenknochen sequenziert und im Februar 2012 erstmals veröffentlicht.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]
Aus Ătzis Erbgut wurde geschlossen, dass er laktose-intolerant war.cite-ref-keller-et-al-2012-39-1[39] Diese Tatsache berechtigt aber noch nicht zu der â teils in der Presse kolportierten â Vermutung einer generellen Unangepasstheit an eine bĂ€uerliche Wirtschaftsform, da Laktoseintoleranz als der wahrscheinlichere Befund auch noch fĂŒr spĂ€tneolithische Bevölkerungen gewertet wird.cite-ref-idw-feb2012-47-0[47] Der im November 2012 bekannt gewordene Vergleich der mtDNA nimmt vielmehr Ătzis genetische Einbindung in eine bĂ€uerliche Kultur an.cite-ref-bbc-nov12-48-0[48] Der Eismann war TrĂ€ger der Blutgruppe 0.cite-ref-keller-et-al-2012-39-2[39] AuĂerdem deuten Borrelien (Borrelia burgdorferi) darauf hin, dass er möglicherweise der Ă€lteste nachgewiesene Fall einer durch Zecken ĂŒbertragenen Borreliose ist,cite-ref-keller-et-al-2012-39-3[39] auch wenn dies in neueren Studien angezweifelt wurde.cite-ref-49[49] Die Forschungsergebnisse aus dem Jahr 2012 bezĂŒglich Ătzis genetischer Abstammung wurden wegen Verunreinigungen der damals untersuchten DNA durch modernste Genomsequenzierungen im Jahr 2023 teilweise revidiert.
Eine im Jahr 2023 durchgefĂŒhrte neue, wesentlich verbesserte Sequenzierung des Erbguts zeigte, dass das Genom von Ătzi zu 91 Prozent mit jenem der frĂŒhen europĂ€ischen Ackerbauern ĂŒbereinstimmt. Diese frĂŒhen Bauern brachten ab 7000 v. Chr. die Landwirtschaft aus dem Raum Anatolien nach Europa. Die ĂŒbrigen 9 Prozent von Ătzis Erbgut stammen von den ersten anatomisch modernen Menschen Westeuropas, die JĂ€ger und Sammler waren. Von den Vieh- und Hirtennomaden, die aus der westlichen Eurasischen Steppe nach Ătzi in mehreren Wellen und Kulturen weite Teile Westeuropas besiedelten, fehlen daher im Genom Ăbereinstimmungen. Die Ergebnisse passen somit in die Chronologie der Bevölkerungsgeschichte im damaligen Alpenraum. In Bezug auf das Aussehen kam das Forschungsteam zu dem Ergebnis, dass Ătzi wahrscheinlich glatzköpfig war und eine relativ dunkle Hautfarbe hatte, dunkler auch als die heutiger SĂŒdeuropĂ€er, wie beispielsweise die indigenen Bewohner Sardiniens, zu denen er die gröĂte genetische Ăhnlichkeit aufweist. WĂ€hrend ursprĂŒnglich davon ausgegangen worden ist, dass die Haut seiner Leiche im Laufe der Zeit nachdunkelte, wird heute angenommen, dass sie seiner Hautfarbe zu Lebzeiten entspricht.cite-ref-wang2023-50-0[50]cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Paternale Linie (Y-DNA)
Beim vom Vater an die Söhne vererbten Y-Chromosom wurde eine Teilsequenz im Februar 2012 bekannt. Die jĂŒngste bekannte Y-Haplogruppe wurde als G2a4-L91 identifiziert. Diese Haplogruppe ist sehr selten und heute in nennenswerten ProzentsĂ€tzen nur in den relativ isoliert gebliebenen Bevölkerungen von Korsika und Sardinien vorzufinden.cite-ref-53[53]cite-ref-54[54] Ăhnlich wie beim Vergleich des gesamten Erbguts wird vermutet, dass diese Haplogruppe eine neolithische Bevölkerung reprĂ€sentiert, die im ursprĂŒnglichen Verbreitungsgebiet mit wenigen Ausnahmen ab der Bronzezeit stark zurĂŒckgedrĂ€ngt wurde.cite-ref-idw-feb2012-47-1[47]
Im Rahmen einer historisch-genetischen Studie zur Besiedlung des Tiroler Alpenraums von 2013 haben Innsbrucker Forscher 19 von 3713 Tiroler Teilnehmern der Haplogruppe G-L91 zugeordnet, deren Alter sie auf 10.000 Jahre schĂ€tzten.cite-ref-55[55]cite-ref-56[56] Neuere Berechnungen aufgrund anderer alter menschlicher Ăberreste und moderner MĂ€nner schĂ€tzen ein Alter von an 11.600 bzw. 12.000 Jahre.cite-ref-57[57]
Citizen Science konnte Ende 2013 durch den Vergleich der publizierten Y-Sequenz mit teils privat finanzierten Y-Sequenzierungen Ătzis Y-Chromosom jĂŒngeren Haplogruppen zuordnen, die Nachkommen von G-L91 sind und durch folgende SNP-Marker definiert werden: PF3239 > L166 > FGC5672,Y38112. Die Haplogruppe G-L166 wird auf ein Alter von 6227 bzw. 7000 Jahren geschĂ€tzt und auch in folgender aDNA festgestellt: Champ de Poste 193 ca. 4310 v. Chr. (Carcassonne, Frankreich), MezocsĂĄt 5118 ca. 3150 v. Chr. (Ungarn), Talweg 9538 ca. 2337 v. Chr. (Augsburg, Bayern). Die Haplogruppe G-FGC5672,Y38112 wird auf ein Alter von 5200 bzw. 5650 Jahren geschĂ€tzt, und neben Ătzi gibt es jĂŒngere aDNA: Kydonia 27 ca. 1450 v. Chr. (Kreta), Pylos 13517 ca. 1328 v. Chr. (Griechenland), Marvinci 10390 ca. 394 v. Chr. (Mazedonien).cite-ref-58[58] G-FGC5672,Y38112 wurde auch in modernen Y-Sequenzen mit Herkunft in Sardinien, ThĂŒringen, KoĆĄickĂœ kraj (Slowakei), Tschechien, Polen, England, Georgien, Casablanca (Marokko), Mekka (Saudi-Arabien) und Punjab (Pakistan) festgestellt.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]cite-ref-61[61]
Maternale Linie (mtDNA)
Von diesem kleinen in mĂŒtterlicher Linie vererbten Erbgutabschnitt lagen die ersten genetischen Daten zu Ătzi vor, die ihn einer Untergruppe der mtDNA-Haplogruppe K1 zuordneten, zu der derzeit keine Ăberlebenden bekannt sind.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63] Jedoch existieren andere Untergruppen von K1 sowie die ĂŒbergeordnete Haplogruppe K.cite-ref-tzi-entstammte-einem-untergegangenen-volk-64-0[64]cite-ref-65[65] Im November 2012 wurde die Ableitung prĂ€sentiert, dass die mitochondriale DNA des Eismannes vor allem mit bĂ€uerlichen Populationen des SpĂ€tneolithikums ĂŒbereinstimmt, deren Erbgut deutliche Unterschiede zu mehr oder weniger zeitgleichen JĂ€ger- und Sammlerpopulationen aufweist.cite-ref-bbc-nov12-48-1[48]cite-ref-66[66] Einen aufschlussreichen Vergleich bietet das vollstĂ€ndig vorliegende mitochondriale Genom des 7000 Jahre alten epipalĂ€olithischen Skeletts Braña-1 (La Braña-Aritero, Provinz LeĂłn),cite-ref-67[67]cite-ref-68[68] das wie verschiedene andere Mesolithiker zur Haplogruppe U (U5) gehört. Erbgut fĂŒr den Vergleich stammt auĂerdem von einem Skelett der GrĂŒbchenkeramischen Kultur aus Gotland sowie von einem sĂŒdschwedischen Bauern der Trichterbecherkulturcite-ref-69[69] und von einem eisenzeitlichen Bauern aus Bulgarien.cite-ref-70[70] Aus dem Vergleich wurde abgeleitet, dass die bĂ€uerlichen Gesellschaften aus dem Vorderen Orient und SĂŒdeuropa einwanderten und sich auch spĂ€ter lange nur in begrenztem MaĂe mit regional ansĂ€ssigen JĂ€ger- und Sammlervölkern gemischt haben.
Letzte Lebenstage und Tod
Die letzten Tage im Leben des Gletschermannes konnten vor allem durch die Untersuchung seines Darminhaltes durch Botaniker der UniversitĂ€t Innsbruck erhellt werden. Anhand mit der Nahrung aufgenommener Pollen kann nachgewiesen werden, dass Ătzi in den letzten Tagen vor seinem Tode ausgedehnte Strecken zwischen verschiedenen Vegetationszonen zurĂŒcklegte. Demnach hielt er sich zunĂ€chst im Bereich der Baumgrenze auf, die damals bei ungefĂ€hr 2400 Metern lag (heute etwa 1800â2100 m). Er stieg dann entweder in das Schnals- oder weiter ins Etschtal ab und etwa sechs Stunden vor seinem Tode wieder hinauf in Richtung Tisenjoch.
2007 wurde ein Szenario von Ătzis Tod publiziert, das einen Mord durch eine Pfeilattacke sehr wahrscheinlich machte.cite-ref-lippert-et-al-23-1[23] Die Pfeilspitze war in Innsbruck ĂŒbersehencite-ref-71[71] und erst 2001 durch neue Röntgenaufnahmen in Bozen entdeckt worden.cite-ref-72[72] Sie unterscheidet sich von den beiden erhaltenen Pfeilspitzen aus Ătzis Köcher durch die gedrungenere Form, der Pfeil stammt also mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Verfolger. Der Angreifer schoss den Pfeil von schrĂ€g unterhalb am Abhang in den RĂŒcken des Gletschermannes, als dieser, vermutlich nach einer Mahlzeit, möglicherweise noch rastete.cite-ref-idw-27-1[27] Die Pfeilspitze schlug beim Eindringen in den Körper ein etwa zwei Zentimeter groĂes Loch in das linke Schulterblatt. Mit Hilfe einer âMultislice-Computertomographieâ konnte eine Verletzung der rĂŒckseitigen Wand der linken schulternahen UnterschlĂŒsselbeinarterie (Arteria subclavia) nachgewiesen werden.cite-ref-lippert-et-al-23-2[23]cite-ref-73[73] Auf den CT-Bildern ist in den umliegenden Geweben ein groĂer Bluterguss erkennbar. Das Pathologen-Team um Eduard Egarter Vigl hatte zunĂ€chst gefolgert, dass der im Körper steckende Pfeil nicht nur das linke Schulterblatt, sondern auch die Hauptschlagader durchschlug, was innerhalb kurzer Zeit durch den hohen Blutverlust zum Tode gefĂŒhrt hĂ€tte.cite-ref-74[74] In der 2007 publizierten Auswertung der TodesumstĂ€nde wurde das Ergebnis dahingehend geĂ€ndert, dass Ătzi nicht an den unmittelbaren Folgen der Pfeilwunde starb, sondern durch ein anschlieĂendes schweres SchĂ€deltrauma.cite-ref-lippert-et-al-23-3[23] Die Autoren lassen jedoch offen, ob das SchĂ€deltrauma durch einen rĂŒckwĂ€rtigen Sturz infolge des Pfeilschusses erfolgtecite-ref-lippert-et-al-23-4[23] oder durch einen Schlag auf den Kopf, wie in manchen Massenmedien in den Vordergrund gestellt wurde.cite-ref-75[75]
Mindestens etwa 24 Stunden vor der Pfeilattacke, die zum Tod gefĂŒhrt haben soll, war Ătzi in einen Nahkampf verwickelt.cite-ref-lippert-et-al-23-5[23] Davon zeugen Schnittverletzungen am linken Arm und an den HĂ€nden sowie Kratzspuren auf dem gesamten Körper, besonders am RĂŒcken.cite-ref-76[76] Dem Forschungszentrum Eurac Research zufolge waren aber entgegen diesen und anderen Interpretationen weder an den Pfeilspitzen, dem Beil noch an der Dolchklinge menschliche Blutspuren zu finden. Nur die geringfĂŒgigen Blutspuren am Grasmantel könnten von Ătzi selbst stammen, eventuell aber auch von Tieren.cite-ref-77[77]
Im Sommer 2011 wurde bekannt, dass Ătzi noch rund eine Stunde vor seinem Tod eine Rast einlegte und ein ausgiebiges Mahl zu sich nahm, wozu auch Fleisch vom Alpensteinbock gehörte.cite-ref-ng-2011-78-0[78] Der Magen war erst 2009 an einer anatomisch ungewöhnlichen Stelle im Brustkorb identifiziert worden.cite-ref-ng-2011-78-1[78] Botaniker der UniversitĂ€t Innsbruck fanden auĂerdem zahlreiche Pollen der Hopfenbuche in Ătzis Magen, was darauf schlieĂen lĂ€sst, dass Ătzi im FrĂŒhjahr gestorben ist.cite-ref-idw-27-2[27] Details zum Mageninhalt wurden erstmals 2011 wissenschaftlich publiziert.cite-ref-gostner-2011-38-3[38] Mit dem Befund einer ausgiebigen Rast ist das frĂŒhere Szenario widerlegt, dass sich der Mann auf einer hastigen Flucht aus dem Tal befand.cite-ref-79[79]
⹠Der Tod könnte unmittelbare Folge einer arteriellen Blutung der vielleicht durch den Einschuss verletzten Arteria subclavia sinistra sein.
⹠Möglich ist auch eine venöse Blutung durch Verletzung der Arteria subclavia folgenden Venen. Eine solche Verletzung konnte noch nicht nachgewiesen werden, ist aber aufgrund der Lage der Pfeilspitze wahrscheinlich.
âą Das mittlerweile nachgewiesene SchĂ€del-Hirn-Trauma, dessen Ursprung noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt ist, könnte ebenfalls unmittelbar zum Tod gefĂŒhrt haben.
âą Mit Sicherheit konnte man eine Verletzung der groĂen GefĂ€Ăe, die vor dem Schulterblatt verlaufen, bisher nicht nachweisen. Diese GefĂ€Ăe könnten unter UmstĂ€nden intakt geblieben sein. In diesem Fall wurde nur das Schulterblatt durch die Pfeilspitze perforiert und der Tod könnte durch langsames Verbluten eingetreten sein, verursacht durch eine BeschĂ€digung des im Schulterblatt verlaufenden arteriellen Geflechts (Rete scapulare), das mit Sicherheit verletzt wurde. Die abnorme Armhaltung und die Bauchlage könnten in diesem Zusammenhang als bewusste MaĂnahmen zur Wundkompression interpretiert werden.cite-ref-80[80]
Der Sterbeort des Gletschermannes war als Querrinne ein etwas windgeschĂŒtzter Platz. Ob dieser Ort als letzter Rastplatz frei gewĂ€hlt war oder zugleich der Tatort war, an dem er mit dem Pfeil getroffen wurde, ist bislang ungeklĂ€rt.cite-ref-81[81] Der Pfeilschaft wurde, wahrscheinlich durch Fremdeinwirkung, wieder aus dem RĂŒcken des Opfers entfernt. Das wertvolle Beil mit Kupferklinge wurde noch bei der Mumie gefunden, was einen Raubmord unwahrscheinlich macht. AuszuschlieĂen ist diese Theorie jedoch nicht, da sich nicht rekonstruieren lĂ€sst, welche GegenstĂ€nde der Mann vom Tisenjoch noch bei sich fĂŒhrte, die der Verfolger mit sich genommen haben könnte.
Eine weitere Theorie ist die Bestattungstheorie: Eine Arbeitsgruppe der UniversitĂ€t Rom publizierte 2010 die umstrittene These, dass Ătzi auf niederer Seehöhe gestorben und erst Monate spĂ€ter auf den Pass gebracht und dort bestattet worden sei.cite-ref-vanzetti-82-0[82]cite-ref-vanz-83-0[83] Bei den gefundenen GegenstĂ€nden wĂŒrde es sich folglich um Grabbeigaben handeln.cite-ref-vanzetti-82-1[82] Zur BegrĂŒndung wurde angefĂŒhrt, dass die Analyse des Darminhalts auf einen Tod im April hindeutet, die Pollen an der FundstĂ€tte jedoch auf den August oder September.cite-ref-vanz-83-1[83] Eine rĂ€umliche Analyse der Fundsituation lasse vermuten, dass der Körper auf einer aus Steinen aufgebauten Plattform zusammen mit den Werkzeugen und anderen GegenstĂ€nden rituell aufgebahrt worden sei. Die Niederlegung auf der Plattform sei spĂ€ter durch den langsamen Fluss des Gletschereises auseinandergerissen worden, so dass der Körper schlieĂlich in der Rinne etwa 80 cm tiefer und rund 5 m nordöstlich der Plattformreste gefunden wurde.cite-ref-vanzetti-82-2[82]
Die Bestattungstheorie wurde von Wissenschaftlern des SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseums, der UniversitĂ€t Innsbruck sowie des Instituts fĂŒr Mumien am Forschungszentrum Eurac Research zurĂŒckgewiesen.cite-ref-gegendarstellung-84-0[84] So seien keine Dekompositionsprozesse nachweisbar, die bei einer vorangegangenen Aufbewahrung der Leiche im Tal unumgĂ€nglich gewesen wĂ€ren.cite-ref-gegendarstellung-84-1[84] Zudem sei der ununterbrochene Blutstrom im linken Arm, der angewinkelt unter dem Körper des Toten lag, ein Beweis fĂŒr die unverĂ€nderte Körperhaltung wĂ€hrend des Gefriertrocknungsprozesses und nur durch einen solchen erklĂ€rbar. Die ins Feld gefĂŒhrten Pollen der Umgebung stammen aus geschmolzenem Eis und damit sekundĂ€rer Lage, daher sei auch dieses Argument der Arbeitsgruppe um Vanzetti wenig stichhaltig.cite-ref-gegendarstellung-84-2[84]
Der englische ArchĂ€ologe Francis Pryor vertritt die Theorie, bei dem Pfeilschuss auf Ătzi habe es sich um einen Ritualmord gehandelt, wofĂŒr vor allem die bewusste Deponierung seiner AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde spreche.cite-ref-85[85]
Kleidung und AusrĂŒstung
Neben der Leiche wurden auĂer Bekleidungsresten auch zahlreiche Alltags- und GebrauchsgegenstĂ€nde aus dieser Epoche gefunden.cite-ref-86[86] Ein Teil der AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde weist Stilmerkmale auf, die den Leichnam als Vertreter der sĂŒdalpinen Remedello-Kultur zuordnen lassen. Das ist insbesondere das Kupferbeil, fĂŒr das es nur einige wenige Vergleichsfunde aus der Remedello-Kultur und von dem es Ă€hnliche Felsbilder im Valcamonica gibt. Ein weiteres, regionalspezifisches Merkmal ist der lessinische Feuerstein, aus dem der Dolch und die Pfeilspitzen hergestellt wurden. Dieser fossilfĂŒhrende Feuerstein weist auf den Abbau in den Monti Lessini, einer Bergregion östlich des oberen Gardasees (auch âKleine Dolomitenâ). Er ist vor allem fĂŒr SteingerĂ€te der Remedello-Kultur typisch.
Eine DNA-Analyse der Lederreste hat eine Bestimmung der Tiere, aus denen die Kleidung gefertigt wurde, erlaubt.cite-ref-87[87]
Bekleidung
Ătzi trug eine aus braunem und weiĂem Fell lĂ€ngs gestreifte Jacke, deren helle und dunkle Fellstreifen auf der nach auĂen getragenen Fellseite optisch wirkungsvoll kombiniert sind.cite-ref-88[88] Entgegen einer frĂŒheren Bestimmung als Schaffell geht die 2016 publizierte Untersuchung fĂŒr die Jacke von einer Kombination von Ziegen- und Schafhaut und fĂŒr die Beinlinge von Ziegenfell aus.cite-ref-bomhard-89-0[89]cite-ref-hollemeyer-90-0[90]cite-ref-scinexx-91-0[91] Der Tragekomfort der Jacke ist mit heutiger Kleidung allerdings nicht zu vergleichen.cite-ref-riedl-92-0[92] Die Beinlinge Ă€hneln den Leggings nordamerikanischer Indianer. Sie bestehen aus vielen kleinen FellstĂŒcken, die mit Tiersehnen in Ăberwendtechnik sorgfĂ€ltig vernĂ€ht wurden. Warum Ătzis Beinlinge Patchwork-Arbeiten sind, ist unklar. Um die HĂŒften trug er einen GĂŒrtel aus Kalbsleder, an dem die Lederschlaufen der Beinlinge befestigt waren und der auĂerdem den bis zu den Knien reichenden Lendenschurz aus Schaffell hielt.
Ătzis Schuhe bestehen aus verschiedenen Materialien. FĂŒr den Schaft wurde Rindsledercite-ref-hollemeyer-90-1[90]cite-ref-scinexx-91-1[91] (frĂŒhere Bestimmung: Hirsch) verwendet, dessen Haarseite nach auĂen zeigte. Die Sohle bestand aus besser isolierendem BĂ€renfell, dessen Haarseite innen lag. An der Unterseite der Sohle wurde ein quer laufender und sich ĂŒberkreuzender Lederstreifen angebracht, der damit die Ă€lteste bekannte Profilsohle eines Schuhs darstellt. Schaftleder und Sohle wurden von einem umlaufenden â in Vorstichtechnik eingezogenen â Lederband gehalten. Der Innenschuh bestand aus gedrillten und verzwirnten GrasschnĂŒren. Dieses Geflecht war durch den umlaufenden Lederriemen fest mit der Sohle verbunden, nach oben zum Schaft hin aber offen.cite-ref-goedecker-93-0[93] Zwischen das Geflecht des Innenschuhs und das Schaftleder wurde trockenes SĂŒĂgras (Fieder-Zwenke und Borstgras) gestopft, das als Polster und Isolierschicht diente.cite-ref-94[94]cite-ref-oeggl2009-95-0[95] Der speziell fĂŒr Erfordernisse im Hochgebirge gebaute Schuh wurde mit einem âSchnĂŒrsenkelâ aus Lindenbast verschlossen.
AuĂerdem wurde ein Grasfetzen aus geflochtenem SĂŒĂgras (der Art Fieder-Zwenke) gefunden.cite-ref-oeggl2009-95-1[95] Die anfĂ€ngliche Deutung als Teil eines Umhangs oder einer Liegematte ist umstritten, es könnte sich ebenso um einen Regenkopfschutz oder um den Teil eines fehlenden BehĂ€lters zur RĂŒckentrage (weiter unten beschrieben) handeln.cite-ref-98[98]
Kupferbeil
Das mitgefĂŒhrte Kupferbeil ist vollstĂ€ndig erhalten. Die Klinge besteht zu 99 % aus Kupfer, das laut neuesten Analysen aus sĂŒdtoskanischem Erz gewonnen wurde.cite-ref-mumienkongress-28-1[28] WĂ€hrend kupferne Beilklingen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. in einiger Anzahl bekannt sind, ist Ătzis Beil das einzige, das geschĂ€ftet erhalten ist. Mit diesem Beil war es möglich, BĂ€ume zu fĂ€llen. Ătzi könnte ein angesehener Mann gewesen sein, da Kupfer zu dieser Zeit sehr wertvoll war.
Möglicherweise war das empfindliche und wertvolle Beil allerdings nicht als Werkzeug gedacht, sondern als Waffecite-ref-99[99].
Bogen und Pfeile
Mit dem Beil ist der noch nicht vollstĂ€ndig fertiggestellte Bogen aus Eibenholz bearbeitet worden. Er ist 1,80 m lang. CT-Aufnahmen des Querschnitts zeigen, dass der Bogen liegende Jahrringe hat und die AuĂenseite des Stammes die RĂŒckenseite des Bogens bildet, wie das fĂŒr neolithische Eibenbogen die Regel ist. Eine noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rte Frage ist jene nach dem Splintholz an der RĂŒckenseite, da dieses entweder vollstĂ€ndig fehlt oder aufgrund sekundĂ€rer FĂ€rbung nicht mehr vom dunkleren Kernholz zu unterscheiden ist. Der Bogen besitzt keine glatte OberflĂ€che, sondern weist allseitig eine sehr regelmĂ€Ăige Struktur kleiner Schnitzkerben auf, die entweder mit dem Flachbeil aus Kupfer oder mit Klingen aus Feuerstein angefertigt wurden. Das Fehlen der Sehnenkerben allein ist kein Beweis fĂŒr die Unfertigkeit des Bogens, denn diese können durch zwei eng geknotete Sehnenohren und/oder Umwicklung der Wurfarmenden (Riemen als Sehnenstopper) erĂŒbrigt werden. Wie Experimente mit nachgebauten Eibenbögen ergaben, haben diese bei Schalenwild noch auf 30â50 Meter eine tödliche Durchschlagskraft.
Die 14 Pfeile wurden aus Holz des Wolligen Schneeballs gefertigt. Nur an zwei PfeilschĂ€ften sind noch die Pfeilspitzen aus Feuerstein erhalten, die mit Pflanzenfasern und Birkenpech befestigt und geklebt worden sind. Die Befiederung der Pfeile wurde ebenfalls mit Birkenpech angeklebt und zusĂ€tzlich mit einer Schnur umwickelt. Die Nockenkerben waren tief eingeschnitten (sog. âSelfnockeâ), so dass die Pfeile in der Sehne fest eingenockt werden konnten.
Dolch aus Feuerstein
Der zur AusrĂŒstung gehörige Dolch hat eine Feuersteinklinge und einen Griff aus Eschenholz. In diesem Feuerstein sind winzige Fossilien eingeschlossen, die in dieser Zusammensetzung nur aus einer Grube in der Gemeinde SantâAnna dâAlfaedo in den Monti Lessini östlich des Gardasees bekannt sind.cite-ref-100[100]cite-ref-101[101]cite-ref-102[102]
RĂŒckentrage und GlutbehĂ€lter
Durch die Eisbewegungen einige Meter von der Mumie entfernt wurden die Reste einer RĂŒckentrage aus Haselholz (Corylus avellana) gefunden.cite-ref-oeggl2009-95-2[95]cite-ref-trage-104-0[104] Diese bestand aus einem 1,99 m langen, gebogenen Haselstab, an dessen beiden Enden sich je zwei ĂŒbereinanderliegende eingeschnittene Kerben befanden. Zwei LĂ€rchen-Spaltholzbrettchen (40â38 cm LĂ€nge, 5â4,3 cm Breite) mit eingeschnittenen Kerben scheinen mit den Kerben des Haselstabes zu korrespondieren und dĂŒrften als Auflage am unteren RĂŒcken gedient haben, wĂ€hrend der Haselstab den Rahmen bildete. Im Biegungsbereich des Haselstabes sind Spuren von kreuzweisen Wicklungen feststellbar, die zu den Resten von LindenbastschnĂŒren passen, die nach Aussage von K. Spindler unmittelbar unter dem Tragegestell gefunden wurden.cite-ref-oeggl2009-95-3[95] AuĂerdem wurde bei den Nachgrabungen des Jahres 1992 ein drittes, wesentlich kĂŒrzeres LĂ€rchenbrettchen von 16,5 cm LĂ€nge gefunden.cite-ref-oeggl2009-95-4[95] Die Rekonstruktion des Tragesackes bleibt bislang spekulativ, da keinerlei Reste eines Sackes bzw. seiner Befestigung am hölzernen Rahmen erhalten sind. Auf den Websites des Bozener ArchĂ€ologiemuseums heiĂt es an einer Stelle, Fellreste und HaarbĂŒschel wĂŒrden darauf hinweisen, dass ein Fellsack an der Trage befestigt war.cite-ref-trage-104-1[104] An einer anderen Stelle wird spekuliert, das aus SĂŒĂgrascite-ref-oeggl2009-95-5[95] hergestellte Geflecht (traditionell als âGrasmantelâ interpretiert) könne auch den fehlenden BehĂ€lter darstellen, der auf der RĂŒckentrage befestigt war.cite-ref-105[105]
AuĂerdem wurden zwei zylindrische Dosen aus Birkenrinde gefunden. Der Durchmesser der Dosen betrĂ€gt 15â18 cm, die Höhe etwa 20 cm.cite-ref-rindengef-e-106-0[106] Eines der RindengefĂ€Ăe hat eine schwĂ€rzlich verkohlte Innenwand und wird daher als GlutbehĂ€lter zum Transport von glĂŒhender Holzkohle interpretiert.cite-ref-rindengef-e-106-1[106] Es enthielt Pflanzen- und Holzkohlefragmente, die in frisch gepflĂŒckte BlĂ€tter des Spitzahorns eingebettet waren. Die Holzkohlen bestanden aus folgenden Arten: Fichte/LĂ€rche, Bergkiefer, GrĂŒn-Erle, Netz-Weide, Ulme und wahrscheinlich auch Gewöhnliche Felsenbirne.cite-ref-oeggl2009-95-6[95]
GĂŒrteltasche mit Inhalt
Eine GĂŒrteltasche enthielt einen Klingenkratzer, einen Bohrer, das BruchstĂŒck einer Klinge und eine 7,1 cm lange Ahle. Der ebenfalls enthaltene Feuerschwamm und Spuren von Pyrit sind Bestandteile eines Schlagfeuerzeugs.cite-ref-107[107] Zwei mitgefĂŒhrte Birkenporlinge dienten vermutlich als Heilmittel.cite-ref-108[108] Der Pilz hat eine desinfizierende Wirkung und wird auĂerdem als Aufguss gegen WĂŒrmer und Magenbeschwerden verwendet (in der Gegenwart zum Beispiel bei den Samen). FĂŒr ein BĂŒndel verdrillter Rohhautstreifen, auf die eine gelochte Steinscheibe aufgefĂ€delt ist, ist die Funktion nicht geklĂ€rt. Zuletzt wurde vorgeschlagen, sie als Teil eines sogenannten Vogelgalgens zu deuten.cite-ref-109[109]
Datierung
Ătzis Todeszeitpunkt wurde mittels Radiokohlenstoffdatierung gemessencite-ref-110[110] und mit dem Computerprogramm OxCal 4.4 auf 3164 v. Chr. (Konfidenzniveau 95,4 %, Standardabweichung Ï = 104 a) kalibriert. Walter Kutschera fasste 2002 die Rohergebnisse der Labore ZĂŒrich und Oxford zu 4550 ± 19 BP zusammen, die mit OxCal 4.4 einen Mittelwert von 3258 ± 89 (1Ï, also Konfidenzniveau 68,3 %) calBC (v. Chr., kalibriert) und einen Median von 3223 calBC ergeben, in Kalenderjahren: 3368â3108 calBC (2Ï, also Konfidenzniveau 95,4 %) und 3371â3101 calBC (3Ï, also Konfidenzniveau 99,7 %).cite-ref-111[111]cite-ref-112[112]
Benennung
Der erste wissenschaftliche Bearbeiter des Funds, Konrad Spindler, nahm zunĂ€chst an, dass der Fundort namenlos sei,cite-ref-113[113] und benannte die Mumie daher nach dem weiter nördlich und deutlich höher zwischen Fineilspitze und Hauslabkogel gelegenen Hauslabjoch (Jungneolithische Mumie aus dem Gletscher vom Hauslabjoch, Gemeinde Schnals, Autonome Provinz Bozen-SĂŒdtirol, Italien). In der Folge wurde allerdings darauf hingewiesen, dass der Ăbergang, in dessen unmittelbarer NĂ€he die Mumie gefunden worden war, den Namen Tisenjoch trĂ€gt,cite-ref-menara-114-0[114] woraus sich die Bezeichnung Mann vom Tisenjoch entwickelte.
Der Name âĂtziâ geht auf den Artikel Vom Ătzi und dem Arnold in der Abendausgabe der Wiener Tageszeitung Arbeiter-Zeitung vom 26. September 1991, verfasst von dem Journalisten und PĂ€dagogen Nikolaus Glattauer, zurĂŒck.cite-ref-ortner-1993-3-1[3]cite-ref-115[115] Der damalige Chefredakteur hatte einen einprĂ€gsamen, griffigen Namen verlangt. Nach einer telefonischen Anregung von Karl Wendl wurde daraufhin die Mumie in diesem Artikel âĂtziâ genannt.
Spindler selbst Ă€uĂerte sich zu dieser Sprachschöpfung:
âWeltweit hat sich allerdings nur ein einziger Kosename durchgesetzt: Ătzi. Ohne Artikel verwendet und auch im Ausland stets groĂgeschrieben, ist die Eigennamenbildung abgeschlossen. Der Name ist lexikonreif.âcite-ref-116[116]
Das SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseum, wo die Mumie heute aufbewahrt wird, verwendet die Bezeichnung Der Mann aus dem Eis, Mumie vom Similaun, Ătzi der Eismann oder Mann vom Similaun.
Im deutschsprachigen Raum sind die Bezeichnungen âDer Mann aus dem Eisâ, âMann vom Tisenjochâ, âMann vom Hauslabjochâ und âMumie vom Similaunâ u. Ă€. gebrĂ€uchlich.cite-ref-spindler-1992-93-2-1[2] In der Alpenvereinskarte ist der Fundort als âEismann-Fundstelleâ bezeichnet.cite-ref-117[117] Auch wurde die Bezeichnung âSchnalsiâ (nach dem Schnalstal) lanciert. Sie konnte sich aber nicht durchsetzen.cite-ref-118[118] Im italienischen Sprachraum heiĂt die Mumie âOetziâ, âLa Mummia del Similaunâ (Mumie vom Similaun), âUomo del Similaunâ (Mann vom Similaun) oder auch âUomo venuto dal ghiaccioâ (Aus dem Eis gekommener Mann). Im englischsprachigen Raum sind zusĂ€tzlich zum Hauptbegriff Ătzi âIcemanâ und âFrozen Fritzâcite-ref-119[119] gebrĂ€uchlich.cite-ref-120[120]
Rezeption
Sehr schnell und anhaltend nahmen sich Laien- wie Fachmedien des Fundes mit dessen Folgerungen und Interpretationen an. Es wurde sogar ĂŒber den âFluch des Ătziâ als moderne Variante des Fluchs der Mumie von Tutanchamun fabuliert. Bisher sollen sieben Menschen gestorben sein, die mit der Leiche zu tun hatten, darunter ihr Entdecker Helmut Simon.
Ein verschwörungstheoretisches Buch namens Die Ătztal-FĂ€lschung. Anatomie einer archĂ€ologischen Groteske erregte 1993 kurzzeitig Aufmerksamkeit.cite-ref-121[121]
In Hinblick auf die erinnerungskulturelle Dimension der Dauerausstellung der Gletscherleiche in der Stadtmitte Bozens wurde hervorgehoben, dass damit auch ein âsymbolischer Bezug auf eine neue, beinahe ĂŒberzeitliche SĂŒdtirol-IdentitĂ€tâ geschaffen wurde, die ihre politische Spannung auch aus dem deutlichen Kontrast zum nahe gelegenen, seinerseits ideologisch sehr aufgeladenen Siegesdenkmal aus der Zeit des italienischen Faschismus bezieht.cite-ref-122[122]
Im Mai 2000 wurde der Asteroid (5803) Ătzi benannt.
2020 wurde an einem Kreisverkehr im Industriegebiet Bozen, nahe der stĂ€dtischen A22-Ausfahrt Bozen SĂŒd, ein Ătzi-Memorial aus Laaser Marmor errichtet.
Ausstellungen
Dauerausstellungen
âą Seit MĂ€rz 1998 wird die Gletschermumie im Original im SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseum in Bozen ausgestellt. Die Koordinierung der wissenschaftlichen Bearbeitung wurde dem Bozner Pathologen Eduard Egarter Vigl anvertraut.cite-ref-zeit-123-0[123] Die Mumie wird in einer KĂŒhlzelle gelagert, die mit â6,5 °C und 97â99 % Luftfeuchtigkeit die Bedingungen im Inneren des Gletschers imitiert und damit den Gefriertrocknungsgrad optimal erhalten soll. Da die Mumie trotzdem jeden Tag vier bis sechs Gramm Wasser verliert, wird ihr dieses alle drei Monate wieder zugefĂŒhrt. Dazu wird in der KĂŒhlzelle warmes Wasser als feiner Nebel versprĂŒht, der sich auf die Mumie legt, teilweise in die Haut dringt und darauf eine dĂŒnne Eisschicht bildet.cite-ref-124[124]cite-ref-125[125] In Planung befindet sich ein Verfahren, bei dem die AtmosphĂ€re in der KĂŒhlzelle durch reinen Stickstoff ersetzt werden soll.[veraltet] Dies soll das Wachstum aerober Bakterien verhindern und auĂerdem die Radikale, welche die Mumie angreifen könnten, aus der Umgebung entfernen.
âą In den Freilichtmuseen Ătzi-Dorf in Umhausen in Nordtirolcite-ref-126[126] und ArcheoParc in Schnals in SĂŒdtirolcite-ref-127[127] wird versucht, die Lebenswelt Ătzis und seiner Zeit zu rekonstruieren und einem breiten Publikum zu vermitteln.
Einzelausstellungen
âą Seit Januar 2003 tourt eine Wanderausstellung mit Reproduktionen der AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde und der Bekleidung des Mannes aus dem Eis durch die ganze Welt.cite-ref-128[128] Die Wanderausstellung wird angesichts der fortschreitenden Forschungen bei jedem Standortwechsel inhaltlich aktualisiert. Vom 23. MĂ€rz 2016 bis 22. Januar 2017 wurde die Ausstellung unter dem Titel Ătzi. Der Mann aus dem Eis âŠund zwei von hiercite-ref-129[129] im Braunschweigischen Landesmuseum in Braunschweig prĂ€sentiert.
âą Im Herbst 2012 war im Jura-Museum EichstĂ€tt eine Ausstellung mit dem Thema Die RĂŒckkehr des Ătzi zu sehen, die auch einen Workshop bot.
âą 7. Februar bis 7. September 2014 lief die Ausstellung Ătzi 2.0 â Neues von der Eismumiecite-ref-130[130] mit interaktiven Modulen und museumspĂ€dagogischem Begleitprogramm in der ArchĂ€ologischen Staatssammlung MĂŒnchen. Ăber eine Live-Webcam konnte man in die KĂŒhlkammer in Bozen schauen.
âą 24. August 2018 bis 6. Januar 2019 â Ausstellung im Naturkundemuseum Paderborn.cite-ref-131[131]
BĂŒcher
⹠Gabriele Beyerlein: Gabriele Beyerlein erzÀhlt vom Gletschermann. (Bilder von Tilman Michalski) Oetinger, Hamburg 1993, ISBN 3-7891-7510-2.
âą Erich Ballinger: Der Gletschermann. Ein Steinzeit-Krimi. Ueberreuter, Wien 2003, ISBN 3-8000-2075-0.
âą Adam Jankowski: Ătz â Der Fall vom Similaun-Gletscher. Pro-Market, Breslau 2011, ISBN 978-83-932549-0-3.
âą Andreas Venzke: Ătzi. Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit. Ein RĂ€tselkrimi. Auditorium Maximum / Hörbuchverlag der Wissenschaftlichen Buch-Gesellschaft, Darmstadt 2013 (CD im Digipak, 70 Minuten Laufzeit), ISBN 978-3-654-60392-6.
âą Lenz KoppelstĂ€tter: Der Tote am Gletscher. Ein Fall fĂŒr Commissario Grauner. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2015, ISBN 978-3-462-04728-8.
Hörspiel
Spielfilme
âą Der Ătztalmann und seine Welt â Das Jahr, bevor er schlief. Deutschland / Ăsterreich 1999.
âą Der Mann aus dem Eis, Film von Felix Randau aus dem Jahr 2017.
âą Ătzi und das Geheimnis der Zeit. Originaltitel Ătzi e il mistero del tempo. Italien 2018.
Comics
âą Gerd âPirgâ Pircher: Ătzl, der Mann aus dem Eis. Druck- und Verlagshaus Thaur 2000, ISBN 3-85400-108-8.
âą Gerd âPirgâ Pircher: Ătzl und das verschwundene Dorf. Druck- und Verlagshaus Thaur 2010. ohne ISBN.
Literatur
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âą Angelika Fleckinger: Ătzi, der Mann aus dem Eis. Alles Wissenswerte zum Nachschlagen und Staunen. aktualisierte 9. Auflage, Folio-Verlag, Wien 2018, ISBN 978-3-85256-779-2 (Jugendsachbuch)
âą Angelika Fleckinger (Hrsg.): Die Gletschermumie aus der Kupferzeit. Neue Forschungsergebnisse zum Mann aus dem Eis / La mummia dellâ etĂ del rame. Teil 1 (= Schriften des SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseums. Band 1). Folio-Verlag, Bozen / Wien 1999, ISBN 3-85256-096-9.
âą Angelika Fleckinger (Hrsg.): Die Gletschermumie aus der Kupferzeit. Neue Forschungsergebnisse zum Mann aus dem Eis / La mummia dellâ etĂ del rame. Teil 2 (= Schriften des SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseums. Band 3). Folio-Verlag, Bozen / Wien 2003, ISBN 3-85256-249-X.
âą Angelika Fleckinger (Hrsg.): Ătzi 2.0: Eine Mumie zwischen Wissenschaft, Kult und Mythos. Theiss, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8062-2432-0.
âą Horst Seidler: Der Mann vom Hauslabjoch â Ein kurzer Bericht. In: Heinrich Pfusterschmid-Hardtenstein (Hrsg.): Was ist der Mensch? Menschenbilder im Wandel: EuropĂ€isches Forum Alpbach 1993. Ibera-Verlag, Wien 1994, ISBN 3-900436-07-X, S. 417â430.
âą Konrad Spindler, E. Rastbichler-Zissernig, H. Wilfing, D. zur Nedden, H. Nothdurfter: Der Mann im Eis. Neue Funde und Ergebnisse (= The man in the ice. Band 2; Veröffentlichungen des Forschungsinstituts fĂŒr Alpine Vorzeit der UniversitĂ€t Innsbruck. Band 2). Springer, Wien 1995, ISBN 3-211-82626-2.
âą Konrad Spindler: Der Mann im Eis. Neue sensationelle Erkenntnisse ĂŒber die Mumie in den Ătztaler Alpen. Goldmann, MĂŒnchen 1995 (2. erweiterte Auflage 2000), ISBN 3-442-12596-0.
âą A. Haller: Das Similaun-Syndrom. Oecci Homo â Von der Entdeckung der Gletschermumie zum transdisziplinĂ€ren Forschungsdesign. Libelle, Bottighofen 1992, ISBN 3-909081-54-1.
âą Frank Höpfel, Werner Platzer, Konrad Spindler (Hrsg.): Der Mann im Eis. (= Bericht ĂŒber das internationale Symposium 1992 in Innsbruck. Band 1; Veröffentlichungen der UniversitĂ€t Innsbruck. Band 187). Innsbruck 1992, ISBN 3-901249-01-X.
âą Die Gletschermumie vom Ende der Steinzeit aus den Ătztaler Alpen (= Sonderdruck aus: Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums. Nr. 39. 1992). Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz 1993 (eigenstĂ€ndige Publikation).
âą Mark-Steffen Buchele: Der Ătzi â ein Medienereignis. Wirklichkeitsvermittlung im Spannungsfeld von Ăffentlichkeitsarbeit und Journalismus. In: Leipziger Forschungen zur ur- und frĂŒhgeschichtlichen ArchĂ€ologie. Band 6. Leipzig 2004 (mit CD-ROM), ISBN 3-936394-12-1 (weblink: Professur fĂŒr Ur- und FrĂŒhgeschichte der UniversitĂ€t).
âą Markus Egg, Konrad Spindler: Kleidung und AusrĂŒstung der Gletschermumie aus den Ătztaler Alpen (= Monographien des Römisch-Germanischen Zentralmuseums Mainz. Band 77). Schnell & Steiner, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7954-2141-0.
âą M. Samadelli, Research Institute for Mummies and the Iceman, Eurac Research (Hrsg.): Iceman photoscan. Pfeil, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-89937-098-0.
âą F. Rollo, M. Ubaldi, L. Ermini, I. Marota: Ătziâs last meals: DNA analysis of the intestinal content of the Neolithic glacier mummy from the Alps. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. and. 99, Nummer 20, Oktober 2002, S. 12594â12599, doi:10.1073/pnas.192184599, PMID 12244211, PMC 130505 (freier Volltext).
âą Silvia Renhart: Der Mann aus dem Eis und seine Welt. Athesia Touristik, Bozen 2000, ISBN 88-87272-08-5 (online).
âą Josef Rohrer, Alexander Horn, Oliver Peschel, Andreas Putzer: Cold Case Ătzi. Eine Spurensicherung von Alexander Horn, Oliver Peschel und Andreas Putzer. Folio-Verlag, Wien / Bozen 2024, ISBN 978-3-85256-904-8.
âą Albert Zink: Ătzi. 100 Seiten (= Reclam 100 Seiten. Band 20419). Philipp Reclam Junior, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-15-020419-1.
Dokumentationen
âą RĂ€tselhafte Tote â Der Mann aus dem Eis. Originaltitel: Mummies Alive: Otzi â Stone Age Warrior? TV-Dokumentation, UK 2015; Deutsche Synchronfassung: ZDF / ZDF Enterprises 2015.
Weblinks
Wiktionary: Ătzi
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Ătzi
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
âą Ătzi, der Mann aus dem Eis â SĂŒdtiroler ArchĂ€ologiemuseum
âą Institut fĂŒr Mumien und den Iceman, Eurac Research â Forschungsinstitut, das die Forschung an Ătzi koordiniert
âą Der Mann aus dem Eis â Forschungsprojekt zur alpinen Vorzeit, UniversitĂ€t Innsbruck
âą Iceman photoscan â Komplette fotografische Dokumentation der Mumie
âą Ătzis JagdausrĂŒstung â Landschaftsmuseum Obermain
âą Elisabeth Rastbichler-Zissernig: Der Mann vom Hauslabjoch Von der Entdeckung bis zur Bergung. (PDF; 3,28 MB) 3. September 2001, abgerufen am 1. MĂ€rz 2012 (Detaillierte Aufarbeitung der Fundgeschichte).
âą Eintrag zu Der Mann aus dem Eis im Austria-Forum (in der Essaysammlung)
âą Vor 25 Jahren in den Tiroler Alpen, Deutschlandfunk Kalenderblatt vom 19.9.2016, von Michael Stang
âą Spektrum.de: Ătzi taute mehrmals auf 9. November 2022
âą Ătzi: Der Mann aus dem Eis als Weckruf In: Zeitblende von Schweizer Radio und Fernsehen vom 9. April 2022 (Audio)
âą Video des italienischen Rundfunks RAI ĂŒber die FormalitĂ€ten der Grenzziehung im Gebiet der Ătzi-Fundstelle
Einzelnachweise
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cite-note-ortner-1993-33. â Lorelies Ortner: Von der Gletscherleiche zu unserem Urahn Ătzi. Zur Benennungspraxis in der Presse. In: Deutsche Sprache. Ausgabe 2/1993, S. 97â127.
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cite-note-0-77. â Lars PilĂž, Thomas Reitmaier, Andrea Fischer, James H Barrett, Atle Nesje: Ătzi, 30 years on: A reappraisal of the depositional and post-depositional history of the find. In: The Holocene. Band 33, Nr. 1, 1. Januar 2023, ISSN 0959-6836, S. 112â125, doi:10.1177/09596836221126133 (sagepub.com [abgerufen am 2. MĂ€rz 2025]).
cite-note-88. â SĂŒdtiroler Amt fĂŒr BodendenkmĂ€ler: Die Entdeckung (Memento vom 13. MĂ€rz 2016 im Internet Archive) Ătzi-Fundstelle: Foto der Nachgrabungen ein Jahr spĂ€ter mit Entdeckungen weiterer AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde. Die Mumie wurde links an dem weiĂen Felsbrocken gefunden, der etwas oberhalb des Felsens mit der vom Gletscher abgeschĂŒrften oberen LĂ€ngsrinne hier am rechten unteren Bildrand zu sehen ist. Der Kopf lag nach Norden in Richtung Ătztal gerichtet.
cite-note-1010. â Bernhard X. Mayer, Christian Reiter, Thomas L. Bereuter: Investigation of the triacylglycerol composition of iceman's mummified tissue by high-temperature gas chromatography. In: Journal of Chromatography B: Biomedical Sciences and Applications. Band 692, Nr. 1. Elsevier B.V., Mai 1998, ISSN 0378-4347, S. 1â6, doi:10.1016/S0378-4347(96)00501-4.
cite-note-1111. â Bericht des AuĂenpolitischen Ausschusses des Ăsterreichischen Nationalrates der XXI. Gesetzgebungsperiode (874 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen (Memento vom 14. Oktober 2013 im Internet Archive)) ĂŒber die Regierungsvorlage âVertrag zwischen der Republik Ăsterreich und der Italienischen Republik ĂŒber die Instandhaltung der Grenzzeichen sowie die Vermessung und Vermarkung der gemeinsamen Staatsgrenze samt Schlussprotokoll, Notenwechsel und Anlagenâ.
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cite-note-2-1313. â Video: âĂtzi war hart an der Grenzeâ von Rai SĂŒdtirol vom 19. September 2021 ĂŒber die FormalitĂ€ten der Grenzziehung im Gebiet der Ătzi-Fundstelle
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cite-note-6767. â Federico SĂĄnchez-Quinto, Hannes Schroeder, Oscar Ramirez, MarĂa C. Ăvila-Arcos, Marc Pybus, Iñigo Olalde, Amhed M.V. Velazquez, MarĂa Encina Prada Marcos, Julio Manuel Vidal Encinas, Jaume Bertranpetit, Ludovic Orlando, M. Thomas P. Gilbert, Carles Lalueza-Fox: Genomic Affinities of Two 7,000-Year-Old Iberian Hunter-Gatherers. In: Current Biology. Band 22, Nr. 16, August 2012, S. 1494â1499, doi:10.1016/j.cub.2012.06.005 (elsevier.com [abgerufen am 18. August 2023]).
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cite-note-132132. â Auf: oe1.orf.at > 7 Tage > SA 17. Dezember 2016. Frei abhörbar bis 24. Dezember 2016. (Abhörbar fĂŒr Ă1-Clubmitglieder bis 31. Dezember 2016).
cite-note-133133. â Vorbesprechung, Making of, HintergrĂŒnde: Jakob Fessler: Leporello: Die Sendung aus dem Eis. Ătzi als Hörspielstar. vom 16. Dezember 2016, 7.52 Uhr. (8 Min.) â 7 Tage frei nachhörbar.
cite-note-134134. â Hörspiel-Galerie: Tisenjoch, Aufstieg zur Fundstelle. Eine akustische Rekapitulation. auf oe1.orf.at in Dolby Digital 5.1 Surround Sound, nicht downloadbar. â Programmeintrag.
46.77888888888910.839722222222coordinatesKoordinaten: 46° 46âČ 44âł N, 10° 50âČ 23âł O